Aberglaube

Wenn die Familie nach dem Ostergottesdienst nach Hause kam, wusch sich vor dem Osterfrühstück jedes Familienmitglied mit Wasser aus einer Schüssel, in der drei Pysanky mit rotem Grund und eine Halskette lagen. Wenn ein lediges Mädchen im Haus war, so wusch es sich als Erste, um genauso hübsch und rotwangig wie eine wunderschöne Pysanka zu werden, und zum Schluss nahm es sich die Pysanky. Man hielt das Wasser im Zustand nach dem Waschen für heilig, darum goss man es nicht irgendwo aus, sondern ausschließlich unter Blumen oder Obstbäumen, denn die Menschen glaubten, dass dieses Wasser den Pflanzenwuchs verbesserte.

Auch die Häuser wurden mit Pysanky geschmückt: sie wurden neben die Ikonen gehängt, wo sie bis zum nächsten Osterfest hängen blieben. Aus ihnen wurden Eigelb und Eiweiß ausgeblasen und die leeren Schalen wurden an Fäden vor den Ikonen gehängt.

Wenn man gleich nach Ostern, ein neues Haus zu bauen begann, so mauerte man in jeder Ecke eine Pysanka ein.

An Ostern selbst gingen die älteren Leuten zum Friedhof und begrüßten die Verstorbenen Familienmitglieder mit den Worten „Chrystos Voskres!“; und zugleich zerbrachen sie Pysanky und zerstreuten und vergruben diese über und im Grab, da sie glaubten, dass ihre Verwandten in Gestalt von Vögeln umherflogen und die Bruchstücke verzehren würden.

Im Volksglauben waren Pysanky eine Quelle der Fruchtbarkeit des Erdbodens, der Freigiebigkeit, des Reichtums und sie schützten Menschen vor Unglück und Naturkatastrophen.

Zudem wurden Pysanky zum Bienenstand gebracht, wo die Imker vor jedem Bienenstock den Satz „Christus ist auferstanden“ sagten und daraufhin 2-3 Pysanky mit dem Motiv der Ewigkeit unter den Bienenstock legten.

Im Frühling vergrub man Pysanky in Furchen, um eine gute Ernte sicherzustellen.

Geweihte Pysankaschalen wurden neben Kranken verbrannt - oder unters Dach gelegt, um das Haus vor Blitz und Brand zu schützen.

Im Frühling, nahmen Hirten Pysanky mit, wenn das Vieh das erste Mal auf die Weide getrieben wurde.

Man trug Schalen der Pysanky oder sogar ganze Pysanky in den Stall, damit das Vieh auf dem Hof sich gut vermehrte.

In jeder Region der Ukraine gab es andere Bräuche. Oleksa Woropaj beschreibt in seinem Buch "Unsere Volkskunde" diese Volksbräuche zu Ostern sehr detailliert. Später, nach Übersetzung dieser Texte, werden sie auf die Seite "Traditionen" zu lesen sein.